Das Harlingerland nach dem Tod Junker Balthasar
Nach Balthasars Tod war unser Harlingerland in den Besitz der Stadt Bremen gekommen. Rechtmäßige Erbin war aber Onna, Balthasars Schwester, die mit dem Grafen Otto IV von Rietberg seit 1525 verheiratet war, dessen Schwester Elisabeth 1497 Graf Edzard von Ostfriesland geheiratet hatte. Onna war als Gräfin Rietberg mit dem Landgraf von Hessen befreundet. Dieser hat mit den Bremern verhandelt. Onna war bereit, 60 000 Gulden an die Bremer zu zahlen und keinen Seeraub mehr zu gestatten. Bremen war mit der Rückgabe des Harlingerlandes einverstanden.
Die Gräfin von Ostfriesland - ihr Mann Enno war wenige Tage nach Balthasar verstorben - machte gleichfalls Rechte geltend. Der Streit kam vor das Reichskammergericht. Hier änderte sich die Lage, denn nach den alten Lehnsverträgen Balthasars mit dem Herzog von Geldern, war Kaiser Karl V Rechtsnachfolger dieses Herzogs. Er nahm nun selbst für sich die Sache in die Hand. Der Kaiser erklärte seine Zustimmung von Bremenn als erschlichen und gab nun als Oberlehnsherr das Harlingerland an Balthasars Schwester Onna von Rietberg, die dann bis 1580 auf der Burg Esens lebte.
Ihr Sohn Johann war ein störrischer und tyrannischer Mensch, dem nichts heilig war. Er kam in die Reichsacht und starb 1562 in Köln. Er hinterließ zwei Töchter und eine Witwe, geborene Gräfin von Bentheim. Die jüngste Tochter Walburg wurde nun die Erbin des Harlingerlandes.
Sie war 1557 in Esens geboren und wurde für das ostfriesische Grafenhaus für eine Verbindung interessant. Die Ehe wurde vermittelt durch den Leibarzt des Grafen Edzard von Ostfriesland, dem Meister Heimerich, aber auch der Kanzler Jost Wetter hatte in dieser Angelegenheit die Hand im Spiel.
Walburg verlobte sich am 29. Juni 1577 mit dem Erbprinzen von Ostfriesland, Enno, aus dem Hause der Cirksena. Sie war 20 Jahre, er 14 Jahre alt. Zu dieser Verlobung war der ganze ostfriesische Hof mit dem regierenden Grafen Edzard II auf der Burg in Esens. Die Verlobung der Gräfin Walburg war der Anlaß, daß der Graf Otto von Hoya als Vormund von Walburg am 14.Juli 1577 die erste bekannte Schützenordnung
“Wie sich die Schützen zu Esens mit Abschießung des Papagoyen verhalten sollen”
erlassen hat.
Damals begann für das kleine Esens eine Glanzzeit. Dauernd war hoher Besuch auf der Burg. Die Stadt hatte vielfach vornehme Gäste in ihren Mauern. Die Töchter des Grafen Edzard und seine Frau Katharina, Tochter des Königs von Schweden und Tante des großen Heerführers Gustav Adolf, weilten gerne auf der Burg Esens.
Das Verhältnis zu den Bürgern war ein herzliches, denn wie der Landrichter Prunseken in seinem Tagebuch berichtet, waren am 1. Januar 1581 Graf Edzard und sene Gemahlin mit den jungen Söhnen, desgleichen Prinzessin Walpurgis mit Bräutigam, auf der Kindtaufe bei dem Bürger Johann Pawels zu Gast. Die Hochzeit Ennos mit Walburg fand erst vier Jahre nach der Verlobung, im Jahre 1581, statt.